wieder geht ein Jahr zu Ende und HERZ+SCHNAUZE erscheint zum 17. Mal. Das ist ohne Zweifel eine gute Nachricht, weil wir auch 2006 wieder brisante Tierschutz-Themen aufgreifen konnten. Dass wir dabei auch gern mal einen Abstecher in die Gute-Laune-Abteilung machen, haben wir mit dem Flirtfaktor Tier im Sommer-Magazin gezeigt. Mit dem Krieg gegen Tiere oder wie Medien gegen Tiere mobil machen und das alltägliche Elend ausblenden, wollen wir Sie in dieser Ausgabe noch nachdenklicher machen. Ob BSE, Vogelgrippe oder der Feldzug gegen "Kampfhunde", immer wird das Tier dafür verantwortlich gemacht, dass wir krank werden, Seuchen zum Opfer fallen oder ganze Hunderassen über uns herfallen und im schlimmsten Fall tot beißen. Doch das alltägliche Elend der "Nutztiere", die wir krank machen, weil sie gepfercht leben, verantwortungslos gefüttert und unwürdigst transportiert werden, wird in viel gelesenen Medien kaum unter die Lupe genommen.
Und die Politik versagt. Was bleibt und sich sehr langsam zugunsten der Kreatur entwickelt, sind unser Verhalten, unser Warenkorb. Lesen Sie dazu den Unmut und Mut machenden Beitrag von unserem Autor, der als Fachjournalist und Vegetarier vielen, auch unserem Redaktions-Team, schon ein Stück voraus ist.
Ein anderes Thema, das uns immer auf den Nägeln brennt, sind die alten Tiere, die aufgrund der dauerhaft übervollen Tierheime und Pflegestellen viel zu lange und nicht selten bis zum Lebensende vergebens auf ihren Menschen warten. Auch noch viele der über 200 aus dem befreiten Rudel aus Liebenwalde in Brandenburg gehören dazu. Wir berichteten im letzten Magazin darüber.
In unseren Beiträgen PSYCHOLOGIE und TIERVERMITTLUNG geben wir die Erfahrungen und Beobachtungen der Tierschützer wieder, die sich liebevoll um diese Hunde bemühen. Bitte glauben Sie ihnen, wenn Gina, Rosa, Gipsy und die anderen als vorzügliche Familientiere beschrieben werden - besonders sozial verträglich, sehr anhänglich und trotz Leben im Freien stubenrein. Machen Sie sich auf den Weg zu so einem, wenn Sie ohne-hin einen Hund suchen.
Auch zu "Kampfhund" Bully auf Seite 8, der als Welpe ins Tierheim kam und dort seit sechs Jahren wartet, sollten sich geeignete Menschen auf den Weg machen.
Neben dem Berliner Tierarzt, der auch für's schmale Haushaltsbudget einen Weg findet, um das Haustier bei Gesundheit zu halten, ist noch das Engagement von Frauen aus Waren (Müritz) in Mecklenburg ein erfreuliches Thema. Sie haben ihre Menschlichkeit gegen die Ignoranz der Geschaftsleitung eines Pflegeheimes in Abriss und Neubau gesetzt, indem sie sich ohne das übliche Versteckspiel beim Katzenfüttern um die zurückgelassenen Tiere kümmern. Und sie haben Erfahrungen gemacht. Die weniger gute Erfahrung: Man ist auf sich allein gestellt und muss sich auf die eigenen Kräfte besinnen, weil Bürgermeister und Ämter konkrete Hilfe von einen Tisch auf den anderen schieben. Die gute Erfahrung: Es gibt den Katzen-Stammtisch, an dem seit Juni alle Katzen-Frauen sitzen, die in Waren Futterstellen betreuen.
Sigrid Mielke, Chefradakteurin